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Der Projektchor als Chance für die Zukunft

#kirche.mutig.machen – kirchenmusik.mutig.gestalten

Die aktuellen Veränderungen in der Kirche werfen auch grundlegende Fragen zur zukünftigen Ausrichtung der Kirchenmusik auf. Besonders in regionalen Strukturen stellt sich die Herausforderung, kirchenmusikalische Arbeit unter neuen Bedingungen sinnvoll zu gestalten.

Ausgehend von der Leitfrage Wie kann Kirchenmusik in Zukunft in größeren Räumen und veränderten Rahmenbedingungen lebendig bleiben? entsteht die Aufgabe, konkrete Modelle für die Praxis vor Ort zu entwickeln.

Für meine Arbeit als Bezirkskantor in Ludwigshafen bedeutet das: Wie machen wir unsere kirchenmusikalischen Angebote zukunftsfähig? Welche Formate, insbesondere in der Chorarbeit, sprechen Menschen heute an und motivieren sie zur Teilnahme?

Projektchorarbeit kann dabei eine wichtige Rolle spielen - als flexibles, niedrigschwelliges, aber auch künstlerisch anspruchsvolles Angebot, das neue Zielgruppen erreicht, aber auch bestehende Strukturen stärkt.

Statt regelmäßiger wöchentlicher Proben und langfristiger Verpflichtungen entstehen zeitlich begrenzte Angebote, die unverbindlich bleiben und im Gegensatz zu einem wöchentlich probenden Kirchenchor nicht zwingend die Teilnahme an kirchlichen Feiertagen voraussetzen. Diese flexible Struktur ermöglicht es Sängerinnen und Sängern, sich ohne dauerhafte Bindung einzubringen. Erfahrungsgemäß führt eine solche Arbeitsweise nach den natürlichen „Projekt-Pausen“ zu einem spürbar höheren Engagement und neuer Energie innerhalb der Gruppe.

Um die Attraktivität der Projekte weiter zu steigern, können zusätzliche Angebote integriert werden wie etwa kostenlose Stimmbildung während der Projektphasen. Solche Elemente erhöhen die musikalische Qualität und schaffen gleichzeitig einen Anreiz und Mehrwert für die Teilnehmenden.

Die möglichen Formate sind zielgruppenorientiert. Unterschiedliche musikalische Profile sprechen verschiedene Menschen an und erweitern so das Spektrum der Chorarbeit.

Wer auf der Suche nach spiritueller Tiefe und besonderer Atmosphäre ist, findet in den Projekten mit besonderen liturgischen Formen wie Evensong (Abendlob) oder A Festival of Nine Lessons and Carols die für ihn richtige Chorgruppe.

Auch Menschen, die sich für traditionelle geistliche Chormusik interessieren, erhalten entsprechende Angebote. So bleibt die wertvolle Verbindung zu unseren kirchenmusikalischen Wurzeln lebendig und wird bewusst gepflegt.

Wer eher moderne musikalische Ausdrucksformen bevorzugt, findet im Pop‑Chor- bzw. Band‑Projekt mit popularmusikalischem Schwerpunkt den passenden Platz. Das Repertoire wird von Neuen geistlichen Liedern bis hin zu Pop‑Messen und Oratorien reichen.

Darüber hinaus sollten künstlerisch anspruchsvolle Projekte, die auf klassische Kirchenmusikkonzerte mit Oratorien, Messen etc. ausgerichtet sind,  für erfahrene Sängerinnen und Sänger unbedingt Teil des Angebots sein.

Durch diese Vielfalt entsteht eine lebendige, offene und zeitgemäße Chorlandschaft, die unterschiedliche musikalische Interessen berücksichtigt und Menschen auf verschiedenen Ebenen anspricht.

Projektchorarbeit ist damit weit mehr als eine organisatorische Alternative - sie ist eine Einladung, Kirche heute gemeinsam klangvoll und lebendig zu gestalten. Mit flexiblen Modellen setzen wir in Ludwigshafen ein klares Zeichen für eine aufgeschlossene Kirchenmusik, die Menschen für das gemeinsame Singen begeistert.

Ludwigshafen, im Februar 2026